Grenzüberschreitungen:

Die Außenbeziehungen Schwabens in Mittelalter und Neuzeit



Interdisziplinäres und internationales Symposion

in der Schwaben-Akademie Irsee

Klosterring 4, D-87660 Irsee (Tel. 08341/906-661 und -662)



Kooperationssymposium des Historischen Vereins für Schwaben mit der Schwabenakademie Irsee, dem Zentralinstitut für Regionalforschung der Universität Erlangen-Nürnberg, dem Interdisziplinären Arbeitskreis Kurmainz und der Erzkanzler des Reiches an der Universität Mainz und der Gesellschaft für Oberschwaben.

vom 22. bis 24. Nov. 2007 (Donnerstag bis Samstag)



Tagungsleitung:

Prof. Dr. Wolfgang Wüst, Erster Vorsitzender des Historischen Vereins für Schwaben

Dr. Rainer Jehl, Direktor der Schwaben-Akademie Irsee



Programm (als PDF)

Das Erscheinen des 100. Bandes der traditionsreichen „Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben“ gibt Anlaß, im Rahmen einer Tagung historische Bilanz zu ziehen. Der Historische Verein selbst ist noch älter, da er sich in Augsburg unter dem bayerischen König Ludwig I. (1825–1848) bereits am 11. September 1834 konstituierte. Auch weisen seine in 36 Folgen erschienenen älteren Jahresberichte ebenfalls in das Gründungsjahr zurück, doch etablierte sich der heutige Zeitschriftenname mit neuer Bandzählung erst im Jahre 1874. Seither sind nunmehr 99 stattliche Bände vor allem mit stadt- und landeshistorischen Beiträgen und der Bilanz historischer Neuerscheinungen („Neues Schrifttum“) erschienen.

Das Schwaben in den Grenzen des mittelalterlichen Herzogtums und des frühmodernen Reichskreises, dem auch das im 19. Jahrhundert künstlich geschaffene Bayerisch-Schwaben gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich zugehört hatte, soll im Rahmen dieses Jubiläums nicht von Innen, sondern von Außen her betrachtet werden. Schwabens Außenbeziehungen in Mittelalter und Neuzeit sind also das Thema. Die Transfers sollen in breiter zeitlicher und räumlicher Perspektive untersucht werden. Zwei übergreifende Aspekte ordnen das Feld. Das sind Erstens: Städtische, territoriale, gerichtliche und biographische Kontakte – Bilaterale Beziehungen und Zweitens: Regionen und Institutionen im Austausch – Multilaterale Netzwerke.

Die einzelnen Beiträge reichen thematisch von den Handelsbeziehungen Oberdeutschlands und Genuas im 15. Jahrhundert bis zur historischen Spurensuche nach Schwaben im mittelalterlichen Paris. Sie umfassen die Kultur-, Handels- und Kriegsinteressen Schwabens im Lyon des 16. Jahrhunderts oder die „Schnittstelle“ Schwaben zwischen dem habsburgischen Kaiser und dem Heiligen Römischen Reich ebenso wie weitreichende biographische Querverbindungen. Letztere werden beispielsweise im Humanismus für den Straßburger Schulrektor Johann Sturm oder in der Barock- und Rokokozeit für den Augsburger Fürstbischof Joseph Ignaz Philipp (1740–1768) als Landgraf von Hessen dargelegt.

Ziel der Tagung ist es, die Koordinaten der politisch-rechtlichen Regionenbildung zu entgrenzen, eine Tendenz, die zusehends auch in den historischen Nachbarwissenschaften Platz greift. So spricht man in der Wirtschaftsgeographie heute gerne von einem Paradigmenwechsel, wenn mit Blick auf „gewachsene“ Räume nicht mehr vom space of place, sondern vom space of flows die Rede ist. Eine Entterritorialisierungsdebatte ist also auch außerhalb der Geschichtswissenschaften im vollen Gange. Sie wechselte fast chamäleonartig unter verschiedenen Überschriften ihr Antlitz, sie reicht vom cultural turn, von einer kulturellen „Kreolisierung“ über Netzwerktheorien jeglicher Art bis hin zur omnipräsenten, vermeintlich alles überdeckenden Dimension der Globalisierung, den global flows.





Donnerstag, 22. November 2007

Anreise bis 12.00 Uhr, anschließend gem. Mittagessen



I. Begrüssung und Einführung



13.30 Uhr: Dr. Rainer Jehl, HD Dr. Ludolf Pelizaeus, Prof. Dr. Wolfgang Wüst, Prof. Dr. Franz Quarthal: Begrüßungen

II. Nachbarschaft und Fremdes
II. Sektion A

14.00 Uhr: Prof. Dr. Franz Quarthal, Stuttgart

Schwäbische Selbstbeleuchtung und fremde Augen: Die Begegnung der Schwaben mit den Fremden


15.00 Uhr: Prof. Dr. Wolfgang E.J. Weber, Augsburg

Die moderne Theorie der Außenpolitik im frühneuzeitlichen Schwaben: ein Rekonstruktionsversuch


16.00 Uhr: Kaffeepause


II. Sektion B

14.00 Uhr: Dr. Bettina Braun, Mainz

Sauschwaben und Kuhschweizer“ oder friedliche Nachbarn? Die Schweiz und ihre nördlichen Nachbarn in der Frühen Neuzeit zwischen Kooperation und Abgrenzung


15.00 Uhr: Prof. Dr. Andreas Otto Weber, Erlangen

Kleine Außenpolitik. Nachbarschaft und Verwandtschaft am Beispiel der fränkischen und schwäbischen Hohenzollern


16.00 Uhr: Kaffeepause

III. Schwaben in der Germania Sacra
III. Sektion A

16.30 Uhr: Dr. Franz Brendle, Tübingen

Die geistlichen Reichsstände Schwabens im System der Germania Sacra


17.30 Uhr: Prof. Dr. Friedrich Battenberg, Darmstadt

Eine persönliche Grenzüberschreitung: Bischof Josef von Augsburg als Landgraf von Hessen


18.30 Uhr: Prof. Dr. Manfred Weitlauff, München

Die Augsburger Bischofswahl von 1740 im Zeichen des österreichisch-bayerischen Gegensatzes


19.30 Uhr: Gemeinsames Abendessen


21.00 Uhr: Talk im Stiftskeller


III. Sektion B

16.30 Uhr: Prof. Dr. Alois Schmid, München

St. Ulrich in der Oberpfalz


17.30 Uhr: Dr. Elmar L. Kuhn, Salem

Die Beziehungen der schwäbischen Ordensprovinz der Pauliner nach Ostmitteleuropa (Österreich, Ungarn, Kroatien, Polen)


18.30 Uhr: HD Dr. Ludolf Pelizaeus, Mainz

Frankreich, der Erzkanzler und Schwaben: Raumkonzepte vom Rheinbund (1658) zum Rheinbund (1806)


19.30 Uhr: Gemeinsames Abendessen


21.00 Uhr: Talk im Stiftskeller



Freitag, 23. November 2007

IV. Kunst- und Kulturtransfers
IV. Sektion A

9.00 Uhr: Dr. Helmut Gier, Augsburg

Augsburg – München: Kultureller Austausch, Braindrain oder Symbiose im 16. und frühen 17. Jahrhundert


10.00 Uhr: Prof. Dr. Sibylle Appuhn-Radke, München

Barock-Import. Zur Ausbildung schwäbischer Maler des 17. Jahrhunderts in Mailand


11.00 Uhr: Kaffeepause


IV. Sektion B

9.00 Uhr: Dr. cand. Stefan Römmelt, Würzburg

See-Gänge. Zum Kulturtransfer zwischen Schwaben, Großbritannien und den USA in der Frühen Neuzeit


10.00 Uhr: Prof. Dr. Jörg Martin Merz, Münster

Der römische Wanderkünstler und der Augsburger Bankier“ – Gregorio Guglielmis Freskoauftrag im Festsaal des Schaezlerpalais in Augsburg


11.00 Uhr: Kaffeepause


V. Städtekontakte, Bildungs- und Informationsaustausch
V. Sektionen A und B

11.30 Uhr: Prof. Dr. Anton Schindling, Tübingen

Der Straßburger Schulrektor Johann Sturm, die Schule in Lauingen und die Jesuiten in Dillingen – Humanistische Bildungsreform an Oberrhein und oberer Donau


12.45 Uhr: Mittagessen

V. Sektion A

14.00 Uhr: Prof. Dr. Andreas Sohn, Paris

Süddeutsche im mittelalterlichen Paris. Eine historische Spurensuche


15.00 Uhr: Prof. Dr. Wolfgang Wüst, Erlangen / Augsburg

Süddeutsche Reichsstädte als Informationsdrehscheibe


16.00 Uhr: Kaffeepause


V. Sektion B

14.00 Uhr: Prof. Dr. Thomas Nicklas, Erlangen

Bücher, Handel, Krieg. Schwaben in Lyon im 16. Jahrhundert


15.00 Uhr: Dr. Paul Hoser, München

Die Augsburger „Allgemeine Zeitung“ und ihre Rezeption bei den europäischen Regierungen im 19. Jahrhundert


16.00 Uhr: Kaffeepause

VI. Schwaben, Habsburg und das Reich
VI. Sektionen A und B

16.30 Uhr: PD Dr. Peter Rauscher, Wien

Schwaben als Schnittstelle zwischen Kaiser und Reich

VI. Sektion A

17.30 Uhr: David Petry, M.A., Erlangen / Augsburg

Die Beziehungen der schwäbischen Reichsstädte zum Reichshofrat im 18. Jahrhundert


19.00 Uhr: Gemeinsames Abendessen


20.00 Uhr: Hausführung / Talk im Stiftskeller


VI. Sektion B

16.30 Uhr: Prof. Dr. Alois Schmid, München

St. Ulrich in der Oberpfalz


17.30 Uhr: Dr. Mark Hengerer, Konstanz

Grenzüberschreitungen an Donau und Tiber. Der schwäbische Adel, die Habsburger und Rom in der Frühen Neuzeit


19.00 Uhr: Gemeinsames Abendessen


20.00 Uhr: Hausführung / Talk im Stiftskeller


Samstag, 24. November 2007

VII. Wirtschaft, Militär-, Handels- und Finanzwelt
VII. Sektionen A und B

9.00 Uhr: Prof. Dr. Rainer S. Elkar, München

Die Schwaben und die Grenzen ihres Geldes. Europäische Finanz- und Geldmärkte im 17. und 18. Jahrhundert

VII. Sektion A

10.00 Uhr: Dr. cand Marco Veronesi, M.A., Tübingen

Handelsbeziehungen zwischen Oberdeutschland und Genua im 15. Jahrhundert: Städtisches Netzwerk oder Monopol?


11.00 Uhr: Prof. Dr. Frank Göttmann, Paderborn

Grenzüberschreitung vor dem Reichskammergericht im 16. Jahrhundert. Ein Prozeß zwischen St. Galler und Konstanzer Kaufleuten


11.00 Uhr: Kaffeepause


VII. Sektion B

10.00 Uhr: Prof. Dr. Claudio Donati, Mailand

Schwäbische Offiziere und Soldaten in der österreichischen Lombardei. Militärgeschichtliche Verbindungen im 18. Jahrhundert


11.00 Uhr: Dr. Franz Rasso Böck, Kempten

Die Außenbeziehungen der Reichsstadt Kempten im Spiegel ihres Fernhandels


11.00 Uhr: Kaffeepause


VIII. Ergebnisse
VIII. Sektionen A und B

12.00 Uhr: Abschlussdiskussion


12.45 Uhr: Mittagessen / Abreise

Die Vortragszeiten beinhalten jeweils 30 Minuten Vortrag und 30 Minuten Diskussion.